Mit Zurückweisung umgehen können

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Wie geht ihr damit um, wenn ihr euch zurückgewiesen oder abgelehnt fühlt?


Vielleicht kennt ihr das Gefühl: Man tut oder sagt etwas zum Freund, Partner, Kollegen – mit bester Absicht. Und wuusch, gibt es eine Abfuhr. Wie damit umgehen? Und (was) hat das Ganze mit euch zu tun?

“Don’t walk into the kitchen if you can’t stand the heat”

Neulich hatten wir bei einer Ausschreibung die Silbermedaille gewonnen. Sprich: Verloren. Ich fühlte mich auch persönlich betroffen und erzählte das Ganze meinem Nachbarn, der jahrelang im Vertrieb tätig war. Was sagt er zu mir? “Don‘t walk into the kitchen if you can’t stand the heat”. Fazit: Wenn ich jemanden nach etwas frage oder etwas anbiete, muss ich das “Nein” einkalkulieren. Sonst brauche ich nicht zu fragen. Das ist eine Regel, über die man sich einfach vorher im Klaren sein sollte.

Hat der Andere einen schlechten Tag?

Letzten Freitagnachmittag war ich mit dem Zug unterwegs. Ich setze mich an meinen reservierten Platz am Gang neben einem älteren, schwergewichtigen Herrn. Auf mein freundliches Hallo kommt nur ein unverständlicher Laut. Na gut, denke ich. Dann kommt ein junger Mann, und erklärt dem Älteren, dass der Fensterplatz, auf dem der Ältere sitzt, seiner wäre. Ich stehe schon mal auf und stelle mich an der Seite in den Gang, damit ich den beiden beim Plätze tauschen nicht im Weg bin.

Der Ältere trollt sich mürrisch, herrscht mich aber dabei an, dass ich aus dem Weg gehen soll (soll ich mich in Luft auflösen?), während er sein Gepäck gegen mein Bein haut und den Gang weiter herunter geht. Aua!

Der Jüngere und ich wechseln schon bedeutungsvolle Blicke: Was hat der denn? Nach einer Weile kommt der Ältere tatsächlich noch mal zurück und gibt meinem Nachbarn eine Rechtsbelehrung: Der Jüngere hätte seinen Platz nicht innerhalb von 15 Minuten eingenommen, drum hätte er, der Ältere da eigentlich sitzen bleiben dürfen. Puh – und das am Freitagnachmittag. Es kommt zu einem Wortwechsel. Ich halte den Mund und denke mir meinen Teil.

Was ist hier eigentlich passiert?

Perspektivenwechsel und ganz entspannt bleiben. Worum könnte es in diesem Fall gehen?

  • Wer weiß, was der Ältere schon für einen Tag hatte?
  • Beobachten statt Bewerten: Der Ältere hatte viel Gepäck und schien nicht so ganz bewegungsfit. Darum fiel ihm der Wechsel des Platzes vielleicht schwer. Zudem war der Zug sehr voll.
  • Er war jemand, der Wert darauf legt, dass sein Recht wahrgenommen wird. Darum wollte er es zumindest sagen. Durchgesetzt hat er es dann aber nicht. Spannend – das sagt was über ihn aus, nicht über den Jüngeren oder mich. Es hat also im Idealfall nichts mit dem Angesprochenen zu tun!
  • Ich habe ihm einfach nur im Weg gestanden, drum hat er mich wahrscheinlich so angeherrscht. Es ging nicht um mich, sondern er war im Stress.
  • Vielleicht hat der junge Mann bei ihm was getriggert, was er schon mal erlebt hatte?
  • Und der junge Mann? Der hatte sich überhaupt keinen Kopf über die Modalitäten und Regeln bei der Bahn gemacht.

Was hat das Ganze mit mir zu tun?

Ihr seht: Es kann sein, dass es rein gar nichts mit euch zu tun hat, wenn jemand harsch oder ablehnend reagiert. Er ist mit sich beschäftigt!

Und wenn es doch was mit mir zu tun hat?

Wenn ihr euch aber immer wieder von ähnlichen Situationen getriggert fühlt, könnt ihr folgendes tun:

  • Überprüfen, was es wirklich ist. Oft sind es verletzte Werte. Beispiel: Du bist sehr gründlich, der andere scheint es eher oberflächlich anzugehen. Was tun?
  • Fragt euch, ob es einen Wert gibt, der noch wichtiger ist als der jetzt aktuell verletzte und der euch mit eurem Gegenüber vereint – zum Beispiel der Wunsch nach gemeinsamen Aktivitäten. Oder (im Job) auch der Zwang, gemeinsam miteinander arbeiten zu müssen. Was ist euer gemeinsames, höheres Ziel? Das verbindet euch mit dem Anderen und führt zur Deeskalation
  • Eine andere Möglichkeit ist, sich selbst in der Aktion wie durch eine gläserne Wand von außen zu beobachten. Wir nennen es „dissoziieren“: Was tue ich da eigentlich? Ist es nötig, sich so aufzuregen oder eingeschnappt zu sein?
  • Oder ist es eigentlich eine ganz andere Baustelle? Weil ihr irgendwann mal ein ähnliches Erlebnis hattet, vielleicht in jungen Jahren oder als Kind? In einem individuellen Coaching lässt sich das gern erörtern: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“, sagte der Buchautor Erich Kästner.

About Gudrun Jay-Bößl

Gudrun Jay-Bößl, Heilpraktikerin für Psychotherapie, systemischer Coach und NLP-Master. Lösungsorientiert, pragmatisch und humorvoll. Mit innovativen Methoden aus der Kurztherapie auf zu neuen Möglichkeiten für die KlientInnen.