Gefühl der Leere überwinden – wie lösungsfokussierte Therapie helfen kann

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Häufig erlebe ich in meiner therapeutischen Praxis, dass Menschen zu mir kommen, die belastende, zum Teil furchtbare, Erfahrungen gemacht haben: Als kleine Kinder, in der Jugend oder als Erwachsene. Das erschwert ihnen, ein eigenes selbstbestimmtes Leben zu leben – fröhlich und unbeschwert. Sie können z.B. schwer dauerhafte Beziehungen aufbauen oder verkämpfen sich in Konflikten – z.B. im Job. Immer wieder.

Aber: Mit lösungsfokussierter Therapie lassen sich diese einschränkenden Empfindungen, Gedanken und Verhaltensweisen auf sanfte Art nachhaltig verändern. Hier finden Sie mehr dazu!

Viele von ihnen fühlen sich selbst leer…

Manche Klienten haben z.B. das Gefühl, sie seien nichts wert. Und sie schämen sich, weil sie denken, sie seien auch noch schuld daran, was ihnen passiert ist.

Sei es z.B. physischer oder psychischer Missbrauch, als Kind oder Erwachsener: Wenn Menschen so etwas Schlimmes erleben, kann es passieren, dass sie die Erlebnisse emotional von sich selbst „abspalten“. Es ist eine Überlebensstrategie. Sie dient dazu, das Schlimme aushalten zu können – gerade, wenn es wiederholt passiert. Die Betroffenen treten quasi innerlich aus sich heraus und sind gar nicht präsent. Sie blenden die belastende, unerträgliche Situation aus. Das nennt man „dissoziieren“. Das kann als kleines Kind schon genauso passieren wie als erwachsener Mensch.

 

Das eigene Selbst kann sich so nicht entwickeln

Wer früher ständig um sein Leben kämpfen musste, zahlt im Alltag „einen hohen Preis“. Viele der Betroffenen erleben, dass sie schon beim kleinsten Trigger, der emotional in die Richtung des Erlebten geht (z.B. einem Streit), anfangen zu kämpfen, als ob es wieder ums Überleben ginge. Oder sie erstarren, können gar nicht mehr klar geradeaus denken und sind nicht mehr in ihrer erwachsenen Kompetenz. Sie fühlen sich, als wären sie wieder das kleine Kind, das der Situation hilflos ausgeliefert ist – und total überfordert.

Das eigene „Selbst“ geht in diesem Fall in den Erhaltens-Modus (Mehr dazu findet sich bei Carl Rogers, dem Entwickler der Gesprächspsychotherapie).

Eine Entwicklung, wie sie auf der Basis von liebevoller Zuwendung durch wichtige Bezugspersonen (z.B. die Eltern) möglich ist, findet dann nicht statt. Der Mensch hält sich selbst für nichts wert.

Negative Glaubenssätze entwickeln sich, z.B.: „Aus mir wird sowieso nichts“. Oder der Mensch kämpft um äußere Anerkennung, um sich zumindest auf diesem Weg Bestätigung zu holen: Das reicht von guten Schulnoten bis zum ständigen „Performen müssen“ im Job – oder immer der/die Nette sein. Ergebnis ist: Die Betroffenen sind häufig nur in der Außenwelt. Sie haben Angst vor echten Emotionen. Sie kämpfen oder sind frustriert. Ständig sind sie „am Machen und Tun. Sie sind überall – nur nicht bei sich!

 

Ein Ziel entwickeln und verfolgen…

Wie könnte es anders gehen? Was wäre ein schönes, attraktives Ziel? Z.B. Souveränität, Ruhe, Klarheit, Selbstbewusstsein – und in Stress-Situationen spontan und passend reagieren zu können (statt „mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“ oder die Flucht zu ergreifen) – das sind typische Ziele.

 

Safety first – Sicherheit und Stabilität sind die Basis für die weitere Arbeit

Viele der Betroffenen haben in ihrem Leben niemals gespürt, was es bedeutet, in Sicherheit zu sein. Oder sie haben einmalige, einschneidende Erlebnisse gehabt, die sie existentiell verunsichert haben. Es ist nicht hilfreich, zu bewerten, ob das Eine „schlimmer ist“ als das andere: Schlimm ist absolut subjektiv und daher nicht vergleichbar.

Was deshalb zählt, ist zuerst Sicherheit zu schaffen – und Menschen ins Hier und Jetzt zu holen. Weg vom Grübeln hin zur Gegenwartsorientierung.

In meiner Arbeit stabilisiere und sichere ich die Klienten mit Übungen wie dem sicheren Ort, Anti-Stress-Übungen, Übungen aus der Atem-Therapie, der Achtsamkeit oder anderen Interventionen, die dazu dienen, ein positives G e f ü h l von sich selbst zu haben. Oder überhaupt haben zu dürfen. Denn oftmals sitzen die Muster des Überlebens fest und tief. Die Menschen schämen sich auch, „so etwas“ zu haben. Doch sie kommen in die Praxis, weil sie ja daran leiden, dass sie eben nicht „einfach so machen können wie die anderen.“

 

Integration des verletzten Anteils in der lösungsfokussierten Traumatherapie

Nach der Stabilisierungsphase geht es darum, auf eine sanfte und sehr zugewandte Art an die Ursache zu kommen. Ziel ist, den abgespaltenen („dissoziierten“, s.o.) verletzten emotionale Anteil wieder zu integrieren. Es können auch mehrere Anteile sein. Integrieren bedeutet: Gefühlsmäßig in sich aufnehmen – im eigenen Körper: Ihm oder ihnen einen eigenen Platz geben und sie nicht mehr ablehnen oder verneinen. So kann das „Selbst“ wachsen und sich entwickeln!

Dies kann mit EMDR angegangen werden – oder mit lösungsfokussierter Therapie nach der Psychologin Hélène Delucci und der systemischen Arbeit, bei der auf das Familiensystem geschaut wird. Das kann therapeutisch z.B. so angegangen werden: Aussprechen und Ausleben der Wut, der Verletzung, der Ohnmacht. Also dadurch, in Kontakt mit diesem Anteil zu kommen und ihn zuletzt liebevoll aufzunehmen: Und ab jetzt als Erwachsener in der vollen Kompetenz sein leben zu leben. In dem Wissen, dass das Alte schlimm war – aber jetzt vorbei ist. So kann aus dem Gefühl der Leere etwas Anderes, Neues werden: Die Chance, seine Beziehungen erfolgreicher zu führen und Konflikte besser meistern zu können. Im Hier und Jetzt leben und die Vergangenheit vorbei sein lassen.

So lässt sich dann auch das persönliche Ziel erreichen 😊.

About Gudrun Jay-Bößl

Gudrun Jay-Bößl, Heilpraktikerin für Psychotherapie, systemischer Coach und NLP-Master. Lösungsorientiert, pragmatisch und humorvoll. Mit innovativen Methoden aus der Kurztherapie auf zu neuen Möglichkeiten für die KlientInnen.